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Auf dem langen Marsch schaltet mancher den Kopf einfach aus

Sie sagen selbst, es ist unvernünftig. Sie laufen sich blutende Blasen. Trotzdem haben am Sonnabend 327 Aktive die 64 Kilometer von Chemnitz bis auf den Fichtelberg absolviert. Rund 260 kamen oben an.

Quelle: Freie Presse, 21.05.2012

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CHEMNITZ/OBERWIESENTHAL — „Herzlichen Glückwunsch! Du hast 37 Kilometer geschafft“, so ist es auf einem Schild an der dritten Versorgungsstelle des Marschs von Chemnitz auf den Fichtelberg zu lesen, die sich nahe des Schwarzen Teichs bei Elterlein befindet. In Windeseile bauen die Helfer um Organisator Marcus Müller Biertische auf, stellen Platten mit belegten Brötchen hin, legen Gummibärchen und Müsliriegel dazu.
Insgesamt haben sie 650 Brötchen geschmiert, 30 Kilogramm Brot gekauft und noch einmal so viel Früchtebrot. Hinzu kommen 95 Kilogramm Bananen, 55 Kilogramm Äpfel, 300 Eier und 700 Liter Getränke für die 327 Extremwanderer. Müller konnte sich auf sein Team 100-prozentig verlassen. „Es sind zirka 20 Helfer im Einsatz“, sagt er. Falk Hübler aus Pockau ver- schnaufte nach 37 Kilometern nur kurz. „Ich bin diesmal gut unterwegs. Doch das Schwierigste kommt noch – der Aufstieg zum Fichtelberg, da lässt die Energie nach.“ Hüblers Erfolgsrezept: „Keine langen Pause, konstantes Tempo.“
Dann rollt der Einsatzbus der Bergwacht Oberwiesenthal an. „Wir wissen aus eigener Erfahrung, wo es wehtut“, sagt Bergwächter Anton Porstmann und legt ein Blasenpflaster auf. Toni Zezulka aus Niederwiesa ist der erste Patient. „Die Blasen sind wirklich unangenehm, aber aufgeben kommt nicht infrage – zu- mindest jetzt noch nicht“, erklärt er. Porstmann desinfiziert, klebt, pudert und lässt Zezulka schließlich wieder auf die Strecke.
„Genau genommen ist das, was ich hier mache, nicht sonderlich vernünftig. Es ist einfach verrückt“, sagt Frank Simon aus Plauen. Doch er hat Spaß am Fußmarsch von Chemnitz zum Fichtelberg. „Es ist super organisiert, es wurde einfach an alles gedacht.“ Philip Edelmann aus Chemnitz absolviert die Tortour zum wiederholten Mal mit Bruder Marcus. „Wir motivieren uns gegenseitig. Bei der vierten Rast am Unterbecken in Markersbach gehen wir einfach nur durch. Da wird der Kopf ausgeschaltet“, so Philip Edelmann. Steffi Ruttloff spürte die zurückgelegte Strecke an einer speziellen Stelle: „Auf Deutsch gesagt: Mir tut der Arsch weh.“ Doch die Chemnitzerin hat mit Hündin Maja eine gute Begleiterin. „Wir laufen regelmäßig, sind also ziemlich sportlich.“ Für die 64 Kilometer hatte sie ein Rezept ge- funden: „Nur nicht zur Ruhe kom- men, denn dann wird es hart.“
Letztlich trafen etwa 260 Teilnehmer auf dem Gipfel des Fichtelbergs ein. Fast alle hatten Blasen und Schwielen an den Füßen, einige konnten kaum noch laufen. Die Letzten ließen sich gegen 20.30 Uhr in den Bus fallen – da waren sie seit mehr als 15 Stunden auf den Beinen.
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